Als ich mir sicher war, sie unbesorgt als Güteklasse 1 etikettieren zu können, entschied ich mich, ihr das Angebot zu unterbreiten. Ich schaute tief in ihre blauen Augen und sagte herausfordernd: „Möchtest du mir nicht langsam einmal deinen Namen verraten?!“
Sie schaute mir aus ihren kleinen schwarzen Pupillen in die Augen, lachte laut los und antwortete schmunzelnd: „Dipec. Doch falls du das hier nicht vermasseln willst, musst du mir einen Gefallen tun.“
„Einen Gefallen? Lass mal hören!“
„Nimm den Stock aus dem Arsch, Alter!“
Den Stock aus dem Arsch nehmen. Leichter gesagt als getan. Ich hätte mal sehen wollen, wie locker sie nach fünf Gramm Koks noch war. Um meine Chance nicht zu verspielen, versuchte ich, ihre Forderung zu erfüllen. Gar nicht so einfach, auf Kommando den Stock aus dem Arsch zu ziehen. Doch um ihr später meinen Stock in die Röhre schieben zu können, bemühte ich mich so gut es ging. Währenddessen versuchte ich über meine Stimme ein paar Punkte zu holen und gab rau zurück: „Ich heiße Frank. Frank Lugubre. Für dich einfach Frankie! Du hast recht. Scheiß auf das spießige Gelaber drum herum. Du gefällst mir, also lass uns mit offenen Karten spielen. Ich muss kurz was erledigen, und wenn du nichts vorhast, könnten wir uns danach auf einen Drink in meiner Suite treffen!“
„Warum eigentlich nicht, Frankie? Okay ich komme. Wann soll ich bei dir sein?“
„Um 23 Uhr, in meiner Suite. Suite # 41!“
„Dann sehen wir uns um elf, Frankie!“
Zur Verabschiedung bekam ich einen kurzen Kuss auf den Mund. Für einen Moment hatte es mir die Sprache verschlagen. Zum einen war ich verblüfft, wie gut es geklappt hatte, zum anderen war ich überrascht, wie viel Temperament sie mitbrachte. So viel Temperament hatten Karl und ich nicht mal zusammen. Als ich geschnallt hatte, was mich heute Abend noch erwartete, spürte ich die Freude in mir aufsteigen. Einen Augenblick später stiefelte der Groupie namens Dipec schon in coolen Boots und mit einer lustigen Pumphose um die Hüfte den Flur zu ihrer Suite entlang. Ich sah ihr hinterher und genoss die freie Sicht auf ihren Apfelarsch. Bevor ich mich auf den Weg zum Treffpunkt machte, ließ ich die Begegnung Revue passieren, um zu begreifen, auf was ich mich eingelassen hatte. Fazit: Ich war zutiefst beeindruckt von meinem Auftritt. Ich – ein Womanizer, ein Kerl, der einer Frau einzig und allein mit seinem Charme den Kopf verdrehte und ihre Sehnsucht weckte. Daran fand ich Gefallen. Meinen Körper durchlief eine Welle von heißer Euphorie, gepaart mit Selbstverliebtheit. Ich war ein Meister der Verführung, das war zweifelsfrei bewiesen.

Jetzt aber genug des Selbstlobs! Schließlich musste ich meine Kräfte auf das Wichtige konzentrieren. Die Übergabe. Ich war unbedingt auf einen kühlen Kopf angewiesen, um den Deal auf offener Straße im Beisein einer Horde von Menschen erfolgreich durchzuziehen. Zwar war die Wahrscheinlichkeit hoch, dass sich die Menschen nicht auf mich, sondern auf das Spektakel der Wassershow um das Bellagio herum konzentrierten. Allerdings gab es immer ein gewisses Restrisiko. Und man konnte niemals wissen, ob man nicht doch einem Junkie einmal versehentlich auf den Schlips getreten war, ohne es selbst zu merken.

3/5