Chapitre # 13


Karl und ich saßen an diesem Abend wieder einmal lässig an der Bar unserer Suite und zogen ein bisschen Koks. Ich hatte gerade erst eine Line gezogen und eine Kippe angezündet, als ich feststellte, dass es Zeit war, neuen Stoff zu ordern. Ich hatte mir einst geschworen, dass es uns niemals passieren sollte, die Nachfrage nicht stillen zu können. Zudem hatten wir in der letzten Zeit mit einer Menge an neu dazugestoßenen Dealern zu tun. Und selbst in diesem Business war die Nachfrage nicht um ein Vielfaches multiplizierbar. Ein Grund mehr, warum es nichts zu verpassen galt. Für Karl und mich gab es nur eine Option: schleunigst eine neue Bestellung aufzugeben und zwar ohne Umwege.
Nachdem ich eine weitere Line gezogen hatte, sprang ich vom Hocker, ging zum Telefon und griff den Hörer. Pierres Nummer wählte sich fast wie von selbst, und nervös wartete ich darauf, dass er endlich abnahm und ich ihm meine Bestellung durchgeben konnte. Der Ablauf dieser Telefonate war stets derselbe und änderte sich für gewöhnlich nicht. Ein kurzes Hallo, gefolgt von der Frage nach dem Befinden, dann Menge, Treffpunkt und Uhrzeit. Das war’s. Das heutige Gespräch lief genauso ab. Abgesehen davon, dass Pierre mir sagte, dass zufällig einer der Jungs schon ganz in der Nähe sei und ich mich direkt auf den Weg zu Ritchie machen könne, um den Deal über die Bühne zu bringen. Man konnte diesen Umstand als optimal bezeichnen, denn Wartezeiten von 24 Stunden waren nicht selten und gehörten fast zur Tagesordnung.
Ich musste mich also nur noch schnell anziehen. Ich liebte nämlich nichts so sehr, wie splitterfasernackt in unserer Suite rumzuhängen, mir genussvoll ein bisschen Koks reinzuziehen und dabei ein paar Kippen zu rauchen.So fühlte ich mich beim Drogenkonsum freier, lebendiger, spiritueller, ein bisschen wie ein Hippie der 68er. Keine Ahnung, warum das so war, aber es war mein Ding. Nackt Koks zu ziehen gefiel mir eben.
Nachdem ich mich zügig in Hose und Hemd gequält hatte, schnappte ich zuletzt nur noch das rote, schmal geschnittene Sakko aus dem Schrank und warf es über. Denn wir hatten ein locker übergeworfenes Sakko als Erkennungszeichen ausgemacht, da ich nicht wusste, welcher der Ritchies diesmal für mich bereitstand. Keine einfache Sache, wenn es mehr als eine Person mit dem gleichen Namen gab. Und dass Namen, selbst falsche Namen, ganz schön für Ärger sorgen konnten, hatte ich mehr als einmal erlebt! Dazu herrschte unter Pierres Jungs ein Kommen und Gehen.

„Ich treff mich kurz mit Ritchie. Brauchst du noch irgendwas von draußen?“
„Warte auf mich, ich muss nur kurz kacken. Ich komme mit!“, entgegnete Karl.
„Karl, ich bin spät dran – ich kann nicht warten!“
„Fünf Minuten – sonst bereust du es noch!“
„Sorry, ich muss los! Bis gleich!“

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